In „Begabungspotenziale“ schreibt: Sabine Küster

Sabine Küster wurde 2007 mit einer Dissertation im Grenzbereich zwischen Literaturwissenschaft und Psychiatriegeschichte promoviert. Dies hat sie seitdem in Forschungen zum Begabungsbegriff und seiner Geschichte ausgebaut.

Seit 2008 arbeitet sie in der Begabtenförderung: Sie berät Eltern und Lehrkräfte begabter Kinder und Jugendlicher sowie begabte Erwachsene und engagiert sich in der Entwicklung und Durchführung von Fördermaßnahmen. Bei all diesem profitiert sie von den Erfahrungen, die sich in den unterschiedlichen Bildungssystemen des deutsch-dänischen Grenzgebietes sammeln lassen.

Unnützes auswendig gelerntes Wissen

Diesen Artikel einer Jenaer Abiturientin fand ich durch Zufall. Sie schreibt über „Unnützes auswendig gelerntes Wissen, Leistungsdruck und Stress, der zur Selbstverletzung führt“.

http://www.otz.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Jenaer-Abiturientin-ueber-ihre-Schulzeit-Vor-allem-gelernt-Angst-zu-haben-1497947432

Ich, Abitur 1990, finde mich in diesem Text zwar in Vielem wieder, habe aber einen solchen Artikel damals nicht geschrieben, kenne niemanden unter meinen Gleichaltrigen, der das getan hat und kann mir auch nicht vorstellen, dass es damals ein Forum für Texte dieser Art gegeben hätte.

Das zeigt, dass der gesamtgesellschaftliche Blick auf die Schule ein anderer geworden ist. Nicht nur darin, an ihr Kritik zu üben, sondern auch in den Erwartungen an lebensnahe, menschliche Qualität. Das Umdenken erfolgt nicht „top down“, sondern setzt bei den engagierten Lehrkräften an: Sie müssen Raum dafür erhalten, das aufzugreifen, was die Abiturientin in ihrem Artikel anprangert, und mit ihren Aktivitäten als Vorbilder wirken.

 

geschrieben von Sabine Küster

Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.11.2016

Die „Gemeinsame Initiative von Bund und Ländern zur Förderung leistungsstarker und potenziell besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler“

Begabungsförderung ist nicht nur in der deutschen Bildungspolitik ein topaktuelles Thema, sondern schon länger ein europäisches Anliegen. 2007 erarbeitete eine Gruppe von Wissenschaftlern im Auftrag des Europaparlaments das Strategiepapier „Meeting the needs of gifted children and adolescents – Towards a European Roadmap“. Anschließend richteten die Nationen den Blick auf die eigene Bildungslandschaft.

Nach relativ unverbindlichen Äußerungen im Jahr 2009 ist der Handlungsbedarf 2015 für Deutschland konkretisiert worden. Seit 2016 liegt nun ein verpflichtendes „Programm zur Förderung leistungsstarker und leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler“ vor. Darin heißt es:

„Als innovatives High-Tech-Land können wir es uns aber nicht leisten, kluge Köpfe unentdeckt zu lassen. Deshalb wollen wir vor allem diejenigen fördern, die Potenzial haben, deren Leistungsstärke aber bisher noch nicht erkannt wurde.“

Zur Zielgruppe gehören also ausdrücklich und „vor allem“ (!) auch diejenigen Schüler/innen, die trotz hohen Begabungspotentials mäßige bis schlechte Leistungen erbringen. Dass diese Schülergruppe, deren Förderung die eigentliche Herausforderung in der Begabungsförderung ist, jetzt auch in den Fokus gerückt wird, ist eine richtig gute Nachricht – und ebenso, dass Bund und Länder einen finanziellen Bedarf für diese Anstrengungen anerkannt haben!

geschrieben von Sabine Küster