Die Brightwork Schule

Die Brightworks School in San Francisco hat einen besonderen Weg eingeschlagen, Kinder auf die Anforderungen des 21. Jahrhundert vorzubereiten.
Schon das Gebäude von außen ist ungewöhnlich: eine alte Margarine-Fabrik im coolen Mission District.

Gegründet wurde die Schule 2011 von  Gever Tulley. Gever leitete zunächst die Tinkering School (wörtl.: Bastelschule). Ein Sommercamp in dem Kinder aus allen möglichen Materialien für sich selbst bedeutsame Dinge bauen. Die Brightworks School ist also mehr oder weniger ein verlängertes Sommercamp.

Klassenraum

Heute besuchen ca. 80 Schülerinnen vom Kindergarten-  bis ins Highschool-Alter diese private Laborschule.
Die „bands“ (Klassen) bestehen aus je 8 SchülernInnen aus drei Jahrgängen. 25 Erwachsenen unterstützen die Kinder in ihrem Lernen. Der Jahresbeitrag beträgt ca. 26.000 $. Finanziell schwache Eltern werden unterstützt. Meisten helfen diese Eltern häufiger mit, wenn Elternhilfe gebraucht wird.

Die Stellung des Lehrers ist anders. Er heißt nicht „teacher“ sondern „collaborator“,„who doesn’t solve problems but offers possibilities“. Oft weiß der collaborator nicht genug über das Projekt des Kindes und er ist genau wie die SchülerInnen ein Lernender. Die Kinder sind „Co-Author of their education“ (G. Tulley).
Die collaborators intervenieren nicht, wenn abzusehen ist, dass etwas nicht funktionieren wird. Fehler werden als Mittel zum Zweck gesehen: aus Fehlern lernt man. “Trust and murtural respect helps with using the tools. They have to take responsibility for themselves.”
Entsprechend individuell werden die Ergebnisse natürlich am Ende bewertet. Hier stöhnt Gever etwas, denn das erfordert sehr viel Engagement vom Team.

Das Schuljahr besteht aus Trimestern mit jeweils einem weitgefassten Thema, dem „arch“ z.B. by LAND, STORY, CHANGE OVER TIME.

Die Trimester sind zeitlich in 3 Phasen eingeteilt:

EXPLORATION

Profi Kreissäge

Mit Hilfe des collaborators und im gemeinsamen Gespräch erkunden die Kinder das Thema und entscheiden sich für ein Projekt. Dabei geht es nicht darum, mit Hilfe des Projektes das Curriculum zu erfüllen. Ein großer Unterschied zu unseren Projekten! Intrinsische Motivation steht an oberster Stelle.

Für die Projekte stehen den Kinder eine Vielzahl von Materialien, Profiwerkzeuge, Computer und Bücher zur Verfügung. Auch die 5-Jährigen benutzen unter Aufsicht die professionelle Kreissäge,
bisher ohne Zwischenfälle. Die Schnitte sind dadurch sauber und gerade, anders als mit der Handsäge: das hilft beim Zusammenbauen.

 

 

 

 

EXPRESSION

Das höher hängende Werkzeug kann nur von größeren Kindern genommen werden.

Erarbeitung eines individuellen Projektes in Einzel-, Partner-, oder Gruppenarbeit. Alle Ideen der Kinder werden zugelassen und ernst genommen. Neben dem Ergebnis zeigt die eigene Reflektion über den Prozess dem Kind ob ihre Idee/ihr Projekt funktioniert oder nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

EXPOSITION

Präsentation

Präsentation des Projekts und des Projektverlaufes, inklusive aller Probleme.

 

 

 

 

 

 


In der Regel werden zu jedem Thema Experten von außerhalb eingeladen. Das fällt hier in Kalifornien nicht schwer. Die digitale Vernetzung ist viel besser als bei uns und vor allem die Bereitschaft, Wissen zu teilen und etwas für die Gemeinschaft zu leisten ist weit verbreitet.

Einmal pro Woche führen Gever und seine Kollegin Karen Besucher 2 Stunden (!) durch die Schule. Ich hatte nicht das Gefühl, das Gever es leid ist, immer wieder die gleichen Fragen z.B. nach Bewertung der Leistungen und dem weiteren Erfolg der SchülerInnen im College zu beantworten. Er brennt immer noch. Besonders spannend ist für ihn zur Zeit das Projekt eines Schülers zum Thema „by land“. Er hat einen „funktionierenden“ Raumanzug für den Mars gebaut. Da der Schüler Hilfe benötigte, hat er – mal eben- Kontakte zu namenhaften Künstlern (Tom Sachs) und zur NASA geknüpft. Das Ende vom Lied: es gibt jetzt einen Club in der Brightwork School, in dem SchülerInnen und natürlich auch collaborators (allen voran Gever 😊) voller Begeisterung die Besiedlung des Mars in Form eines Rollenspiels simulieren. Natürlich muss das Equipment selbst hergestellt und designed werden.

Merksätze aus dem Raum der Erwachsenen


Fazit

Die Form des Lernens ist bestimmt nicht für alle SchülerInnen geeignet (wie immer) und mit den finanziellen Mitteln, der Unabhängigkeit vom Curriculum ist das Modell nicht ohne weiteres auf unsere öffentlichen Schulen übertragbar. Auch der Fremdsprachenunterricht scheint auf der Strecke zu bleiben.

Doch die Schule stellt den Schüler in den Mittelpunkt seinen eigenen Lernens, individueller geht es nicht. Gleichzeitig wird sehr viel Wert auf die respektvolle Zusammenarbeit mit anderen gelegt. „At Brightworks, we emphasize process over product, implementing project-based learning… help students think critically, explore deeply, challenge themselves, contribute positively to their world, and learn from their failures.”

Während meines Besuches konnte ich miterleben, wie intensiv die Kinder an ihrem Projekt arbeiteten und wie selbstbewusst sie darüber sprechen und mit welcher Selbstverständlichkeit sie es präsentieren.

Kinder durch „hands on learning“ intrinsisch zu motivieren und die Gemeinschaft bzw. die Gemeinde miteinzubeziehen führt auf jeden Fall zu einem nachhaltigeren Lernen als der übliche Unterricht.

Man kann sich definitiv ein großes Stück von dieser leckeren Torte abschneiden.

 

https://www.ted.com/speakers/gever_tulley

www.sfbrightworks​.org

Gever Tulley: 50 Dangerous Things (You Should Let Your Children Do)

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